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Der kleine Leuchtturm und das Licht der Sterne

38 Jahre⏱ ca. 5 Min. Vorlesezeitvon DruckMalBilder-Redaktion
Titelbild zur Geschichte Der kleine Leuchtturm und das Licht der Sterne

Der kleine Leuchtturm Lino fürchtet, dass sein Licht nicht stark genug ist – bis sich eines Nachts ein Schiff im dichten Nebel verirrt und er die Hilfe der Sterne braucht.

Der kleine Leuchtturm und das Licht der Sterne

Am Rand einer stillen Insel stand ein kleiner Leuchtturm namens Lino. Er war weiß gestrichen, trug ein rotes Dach und hatte ganz oben ein rundes Fenster, durch das jede Nacht sein Licht über das Meer wanderte.

Lino mochte den Tag. Dann kreisten Möwen um sein Dach, Fischerboote tuckerten an ihm vorbei und die Sonne malte glitzernde Wege auf das Wasser.

Doch wenn der Abend kam und die Insel langsam dunkel wurde, bekam Lino ein mulmiges Gefühl.

„Was ist, wenn mein Licht plötzlich ausgeht?“, fragte er sich. „Dann finden die Schiffe vielleicht nicht mehr nach Hause.“

Jeden Abend, sobald die Sonne hinter dem Meer verschwunden war, zählte Lino deshalb ganz genau mit.

Einmal nach links.

Einmal nach rechts.

Wieder nach links.

Und wieder nach rechts.

So drehte sich sein Lichtstrahl zuverlässig über das dunkle Wasser.

Eines Nachts zog dichter Nebel auf. Er kroch über die Wellen, hüllte die Felsen ein und legte sich wie eine dicke, graue Decke um den kleinen Leuchtturm.

Lino konnte kaum noch das Ende seiner eigenen Insel sehen.

Da hörte er draußen auf dem Meer ein leises Geräusch.

„Tuuut!“

Lino lauschte.

Nach einer Weile erklang es erneut, diesmal ein wenig näher.

„Tuuut!“

„Da draußen ist ein Schiff!“, erschrak Lino. „Es sucht den Weg zum Hafen.“

Schnell ließ er seinen Lichtstrahl durch die Nacht wandern. Doch der Nebel war so dicht, dass das Licht nur wenige Meter weit reichte. Es wurde von den winzigen Wassertröpfchen verschluckt.

„Mein Licht ist nicht stark genug“, flüsterte Lino verzweifelt.

Über ihm funkelte ein einzelner Stern zwischen den Wolken.

„Warum bist du so traurig?“, fragte der Stern.

„Ein Schiff hat sich im Nebel verirrt“, antwortete Lino. „Ich möchte ihm helfen, aber mein Licht kommt nicht weit genug.“

Der Stern dachte einen Moment nach.

„Vielleicht musst du heute nicht heller leuchten“, sagte er schließlich. „Vielleicht musst du nur dafür sorgen, dass das Schiff dich bemerkt.“

Lino verstand nicht recht, was der Stern meinte. Trotzdem versuchte er es noch einmal. Er drehte seinen Lichtstrahl nicht wie sonst langsam über das Meer, sondern ließ ihn dreimal kurz aufblitzen.

Blink, blink, blink.

Dann wartete er.

Aus dem Nebel antwortete das Schiff:

„Tuut, tuuut, tuuut!“

„Es hat mich gesehen!“, rief Lino glücklich.

Nun blinkte er zweimal.

Blink, blink.

Das Schiff antwortete ebenfalls zweimal.

„Tuut, tuuut!“

So verständigten sich der kleine Leuchtturm und das Schiff durch die Dunkelheit. Lino zeigte ihm, wo die gefährlichen Felsen lagen und in welcher Richtung sich der sichere Hafen befand.

Doch plötzlich wurde das Tuten des Schiffes wieder leiser.

„Es fährt in die falsche Richtung!“, rief Lino.

Er strengte sich an, so sehr er konnte. Sein Licht leuchtete, blinkte und flackerte. Trotzdem schien das Schiff ihn im dichten Nebel nicht mehr erkennen zu können.

Da öffnete sich hoch oben eine Lücke in den Wolken. Der kleine Stern rief seine Freunde herbei. Einer nach dem anderen erschien am Himmel, bis schließlich Hunderte Sterne über dem Meer funkelten.

Ihr silbernes Licht fiel auf den Nebel. Jeder einzelne Stern war nur ein winziger Lichtpunkt. Doch gemeinsam ließen sie die ganze Nacht ein wenig heller werden.

Nun konnte Lino plötzlich den dunklen Umriss des Schiffes erkennen.

„Ein Stück nach rechts!“, rief er und ließ sein Licht auf der sicheren Seite aufblitzen.

Das Schiff änderte seinen Kurs.

Ganz langsam kam es näher. Bald konnte Lino die Lichter an Deck sehen. Wenig später glitt das Schiff zwischen den beiden Hafenmauern hindurch und legte sicher am Anleger an.

Der Kapitän trat an Deck, nahm seine Mütze ab und winkte zum kleinen Leuchtturm hinüber.

„Danke, Lino!“, rief er. „Ohne dein Licht hätten wir den Heimweg nicht gefunden.“

Lino war so erleichtert, dass sein Leuchtturmlicht vor Freude besonders warm leuchtete.

„Ich war aber nicht allein“, sagte er und blickte zu den Sternen hinauf. „Wir haben es gemeinsam geschafft.“

Der einzelne Stern, der zuerst mit ihm gesprochen hatte, zwinkerte ihm zu.

„Siehst du“, sagte er, „auch ein kleines Licht kann den Weg zeigen. Und wenn ein Licht einmal nicht ausreicht, kommen andere hinzu.“

Der Nebel verzog sich langsam. Die Wellen plätscherten wieder sanft gegen die Felsen, und im Hafen wurden nach und nach alle Lichter gelöscht.

Seit dieser Nacht fürchtete sich Lino nicht mehr vor der Dunkelheit. Er wusste nun, dass die Nacht niemals vollkommen finster war. Irgendwo leuchtete immer ein Stern, ein Fenster, eine Laterne oder ein kleiner Leuchtturm.

Und wenn Lino besonders genau hinsah, entdeckte er auf dem Wasser sogar sein eigenes Spiegelbild – einen langen, goldenen Lichtweg, der bis zum Horizont reichte.

Einmal nach links.

Einmal nach rechts.

Wieder nach links.

Und wieder nach rechts.

So wachte Lino über die schlafende Insel, während über ihm die Sterne funkelten und das Meer ihm leise eine Gutenachtmelodie vorsang.

Schlaf gut, kleiner Schatz. Und vergiss nicht: Auch dein kleines Licht kann für jemanden das hellste Licht der Welt sein.

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