Die Wolke, die nicht regnen wollte

Wolke Frida möchte ihre Tropfen lieber behalten – bis sie entdeckt, wofür Regen eigentlich gut ist.
Hoch oben am Himmel wohnte eine kleine, pummelige Wolke namens Frida. Frida sammelte Wassertropfen wie andere Kinder Murmeln sammeln: dicke, dünne, glitzernde und ganz besonders runde.
„Meine Tropfen gebe ich nicht her“, sagte sie stolz. „Sie sind viel zu schön zum Regnen.“
Die anderen Wolken schüttelten die Köpfe. Jeden Tag regneten sie fleißig, mal ein Nieselchen, mal einen kräftigen Guss. Nur Frida schwebte weiter und wurde dicker und dicker, weil sie immer mehr Tropfen sammelte.
Eines Tages trieb der Wind sie über einen Garten. Dort stand ein kleines Mädchen mit einer Gießkanne vor einem Blumenbeet. Die Blumen ließen die Köpfe hängen, ihre Blätter waren schlapp und die Erde ganz grau und trocken.
„Bitte, liebe Wolke“, rief das Mädchen nach oben, „kannst du nicht ein bisschen regnen? Meine Gießkanne ist leer, und der Brunnen ist auch fast trocken.“
Frida drückte ihre Tropfen fest an sich. „Sie sind aber meine“, murmelte sie. Doch dann sah sie genauer hin: eine Sonnenblume, die sich kaum noch aufrecht halten konnte. Ein Marienkäfer, der vergeblich nach einem Schluck Wasser suchte. Und das Mädchen mit den traurigen Augen.
Da spürte Frida ein Ziehen in ihrem Wolkenbauch. Vielleicht, dachte sie, sind Tropfen gar nicht zum Behalten da.
„Na gut“, rief sie, „aber nur die kleinen!“ Und sie ließ ein paar Tröpfchen fallen. Die fielen auf die Sonnenblume, und – oh! – die Blume hob sofort ein Stückchen den Kopf. Das sah so schön aus, dass Frida gleich noch ein paar Tropfen schickte. Und noch ein paar. Und auf einmal konnte sie gar nicht mehr aufhören. Es prasselte und plätscherte, das Mädchen tanzte lachend durch den Garten, die Erde wurde dunkel und satt, und es roch nach Sommer.
Als Frida fertig war, war sie ganz leicht und federweiß. Und das Beste: Am Himmel stand ein Regenbogen, mitten durch ihren Bauch.
„Das haben deine Tropfen gemacht“, rief das Mädchen. „Danke, liebe Wolke!“
Seitdem regnet Frida für ihr Leben gern. Denn sie weiß jetzt: Aus jedem verschenkten Tropfen wächst etwas – eine Blume, eine Pfütze zum Hineinspringen oder sogar ein Regenbogen.
Schlaf gut, kleiner Schatz. Vielleicht sammelt Frida gerade neue Tropfen für morgen.
Werbung